Für Berufseinsteiger & Azubis

Gehaltsabrechnung verstehen

Deine erste Abrechnung sieht aus wie ein Rätsel? Wir erklären dir jede Zeile — verständlich, ohne Fachchinesisch.

1. Der Kopf — Wer bist du?

Oben auf deiner Abrechnung stehen die Basics:

  • Arbeitgeber — Name und Adresse deiner Firma
  • Arbeitnehmer — Dein Name und deine Adresse
  • Personalnummer — Deine interne Nummer bei der Firma
  • Steuer-ID — Deine lebenslange 11-stellige Steueridentifikationsnummer
  • Steuerklasse — Bestimmt, wie viel Lohnsteuer abgezogen wird (1-6)
  • Konfession — Wichtig für die Kirchensteuer (ev, rk, oder keine)
  • SV-Nummer — Deine Sozialversicherungsnummer

Tipp: Prüfe, ob deine Steuerklasse stimmt. Falsche Steuerklasse = zu viel oder zu wenig Abzüge.

2. Bruttogehalt — Was du verdienst (auf dem Papier)

Dein Bruttogehalt ist der Betrag, den du laut Arbeitsvertrag verdienst — bevor irgendwas abgezogen wird. Das ist NICHT was auf deinem Konto landet.

Hier können auch geldwerte Vorteile auftauchen: Firmenwagen, Jobticket, Essenszuschuss. Diese erhöhen dein Brutto (und damit die Abzüge), auch wenn du kein zusätzliches Geld bekommst.

3. Steuern — Was der Staat will

Von deinem Brutto werden diese Steuern abgezogen:

Lohnsteuer

Der größte Steuer-Posten. Hängt von deiner Steuerklasse, deinem Gehalt und Freibeträgen ab. Steigt progressiv — je mehr du verdienst, desto höher der Prozentsatz.

Solidaritätszuschlag

5,5% auf die Lohnsteuer. Seit 2021 zahlen die meisten Arbeitnehmer:innen keinen Soli mehr (Freigrenze). Erst ab ca. 73.000 € Jahresbrutto wird er relevant.

Kirchensteuer (optional)

8% (Bayern/BaWü) oder 9% (Rest) auf die Lohnsteuer. Nur wenn du Mitglied einer Religionsgemeinschaft bist. Austritt beim Amtsgericht möglich.

4. Sozialversicherung — Dein Sicherheitsnetz

Die Sozialversicherungsbeiträge teilst du dir mit deinem Arbeitgeber — auf deiner Abrechnung siehst du nur deinen Arbeitnehmer-Anteil (AN).

Krankenversicherung (KV)

~8,15% + Zusatzbeitrag

Dein Anteil am allgemeinen Beitragssatz (14,6%) plus ein kassenindividueller Zusatzbeitrag (im Schnitt ~1,7%). Deckt Arztbesuche, Krankenhaus, Medikamente.

Pflegeversicherung (PV)

~2,3%

Für Pflegeleistungen im Alter. Kinderlose über 23 zahlen einen Zuschlag von 0,6%. Eltern mit mehreren Kindern zahlen weniger.

Rentenversicherung (RV)

9,3%

Dein Anteil am Beitragssatz von 18,6%. Finanziert die gesetzliche Rente. Du sammelst damit Entgeltpunkte für deine spätere Rente.

Arbeitslosenversicherung (AV)

1,3%

Dein Anteil am Beitragssatz von 2,6%. Finanziert Arbeitslosengeld (ALG I) und Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit.

5. Nettolohn — Was übrig bleibt

Nettolohn = Bruttogehalt − Steuern − Sozialversicherung

Das ist der Betrag, der auf dein Konto überwiesen wird. Manchmal steht noch ein "Auszahlungsbetrag" darunter — der kann abweichen, wenn z.B. vermögenswirksame Leistungen (VL) oder ein Firmenticket abgezogen werden.

6. Vermögenswirksame Leistungen (VL)

Manche Arbeitgeber zahlen bis zu 40 €/Monat extra in einen Sparvertrag (Bausparvertrag, Fondssparplan). Das Geld geht direkt vom Gehalt in den Vertrag — du siehst es auf der Abrechnung, aber nicht auf deinem Konto. Der Staat gibt unter bestimmten Bedingungen noch eine Arbeitnehmersparzulage obendrauf.

Typisches Beispiel: 2.500 € brutto, Steuerklasse 1, keine Kinder, keine Kirchensteuer

Bruttogehalt2.500,00 €

Steuern

Lohnsteuer−280,58 €
Solidaritätszuschlag−0,00 €
Kirchensteuer−0,00 €

Sozialversicherung

Krankenversicherung (8,15% + 0,85% ZB)−225,00 €
Pflegeversicherung (2,3% + 0,6% kinderlos)−72,50 €
Rentenversicherung (9,3%)−232,50 €
Arbeitslosenversicherung (1,3%)−32,50 €
Nettolohn (ca.)~1.656,92 €

* Gerundete Werte zur Veranschaulichung. Exakte Berechnung mit unserem Rechner.

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